Ensemble six
Erinnerungen an die Comedian Harmonists

Hamburg (sk/wre). Fünf Stimmen und ein Klavier - das reicht, um die Zuhörer glücklich zu machen: ein Konzert lang, den Morgen danach, vielleicht länger ? Diese Überlegung war
der Startschuss zur Gründung von ensemble six, und unter dieser Maxime begeistert das Sextett seit nunmehr 15 Jahren die Zuhörer. Am 6. und 7. August stehen die Herren in den „Fliegenden Bauten” in Hamburg auf der Bühne.
Bereits ihr erster Auftritt fand im renommierten Circus Roncalli statt, und mittlerweile gibt es wohl kaum einen großen Konzertsaal im deutschsprachigen Raum, in dem die sechs Charmeure nicht ihr Publikum erobert hätten, sei es unter anderem das Konzerthaus Wien, die Alte Oper Frankfurt, das Leipziger Gewandhaus, die Dresdner Semperoper, das Casino Basel. Durch zahlreiche CD-Produktionen erreicht die Gruppe darüber hinaus die Musikfreunde in aller Welt: Bisweilen reisen Fans sogar aus den USA zu einem Konzert von ensemble six nach Europa und beweisen damit, dass nicht nur Rock-, sondern auch Frack-Musik international sein kann.
Dass dieser Erfolg für eine Gruppe, die sich den vokalen Kabarett-Schätzchen der 20er und 30er Jahre verschrieben hat, keine Selbstverständlichkeit ist, kann schnell in Vergessenheit geraten, wenn man die sechs Herren leibhaftig vor sich hat. Ihre Begeisterung für die Musik und das Flair der Zeit täuschen über die hohen Anforderungen hinweg, die diese Musik an Können und Wissen der Musiker stellt.
Nicht nur, dass bei ensemble six die Klassiker der Comedian Harmonists in unveränderten Originalarrangements erklingen. Auch den zahlreichen anderen Vokalformationen der Zeit gilt ihre besondere Zuneigung, und so werden immer wieder von den Platten der Humoresk Melodios, Spree Revellers, Fidelios und anderer in stundenlanger Arbeit die Noten abgehört, um die Konzertbesucher mit neu entdeckten Kleinkunstperlen zu überraschen und zu entzücken. Und bisweilen finden sich auch alte Drucke völlig unbekannter, aber dennoch wunderbarer Chansons, die dann, von ensemble six stilecht mehrstimmig eingekleidet, ihre Evergreen-Qualität endlich beweisen dürfen.
Überhaupt dürfte es weltweit kein zweites Ensemble geben, dass (mit den Sammlungen der Herren Lehl und Wellen) über ein so umfangreiches Archiv und eine damit einhergehende fundierte Kenntnis der Gesangsgruppen der Schellack-Ära verfügt wie ensemble six. Nahezu vollständige Sammlungen der Platten der Abels, Andrews Sisters, Delta Rhythm Boys, der Humoresk Melodios, Mills Brothers, Revelers und (natürlich) der Comedian Harmonists sind nur ein kleiner Teil ihres überwältigenden Fundus. Und wer sich schon immer sehnte, die Stars von damals einmal selbst zu sehen, der wird in Andreas Wellens Musikfilm-Archiv Sensationen entdecken.
Trotz dieses einmaligen Hintergrundes wird ein Abend mit ensemble six nicht als Musiklehrstunde enden; schließlich werden die Herren auch keine Opernarien und Klavierkonzerte vortragen, obwohl ihre Ausbildung das mühelos erlaubte. Vielmehr versetzen die sechs Musiker ihre Konzertbesucher in die Atmosphäre einer Zeit, die so ganz anders zu sein schien und unserer heutigen doch so ähnlich ist. Doch bei ensemble six gibt es noch den kleinen Flirt zwischen den Zeilen und das große Gefühl in drei Minuten. Kunstvolle Arrangements verbinden sich mit hintersinnigen Texten zu einer Melange, in der die Ironie noch ernst genommen wird, in der die
Gefühle noch ihren Platz haben und plötzlich wechseln können, in der Tiefsinn und Unsinn nebeneinander und ineinander liegen. Dabei werden nicht nur die von ensemble six mit artiger Verbeugung präsentierten bittersüßen Kabarett-Pralinés zart schmelzen. Denn immerhin sagt manchmal ein Kuss mehr als tausend Worte.
In diesem Sinne: Gute Unterhaltung!
Der Sonntags Kurier verlost für die Vorstellung am 6. August drei mal zwei Eintrittskarten. Schreiben Sie einfach eine Postkarte mit dem Stichwort „ensamble six” bis zum 3. August an den Sonntags Kurier, Grabauer Straße 27a, 21493 Schwarzenbek. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen.
